Vize-Weltmeister vor neuer Herausforderung

Ein gemeinsames Jubelfoto auf dem Platz (wie hier 2018) kann es in diesem Jahr nicht geben, aber auch bei der virtuellen Ausgabe des RoboCups wollen die Teams Magma und Sweaty als amtierende Vize-Weltmeister zumindest ins Finale kommen.

2020 war die eigentlich in Bordeaux geplante 24. Ausgabe der WM aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden. In diesem Jahr entschieden sich die Verantwortlichen dazu, sie ohne festen Spielort weltweit online auszutragen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Vorbereitung der beiden Vize-Weltmeister-Teams Magma und Sweaty.

Das bereits zum zwölften Mal für die WM qualifizierte Team Magma unter der Leitung von Professor Dr. Klaus Dorer hat bereits Erfahrung mit dem virtuellen Format. So hat das Team Anfang Mai bereits das ebenfalls online ausgetragene Turnier der 3D-Simulationsliga auf der Robotica gewonnen. „Trotzdem bedauern alle Teammitglieder natürlich sehr, sich weder persönlich mit anderen Teams noch mit den eigenen Teammitglieder treffen zu können“, sagt Klaus Dorer. Für die virtuelle WM-Ausgabe haben sich in der Liga der simulierten 3D NAO-Roboter insgesamt zwölf Teams aus Brasilien, China, Deutschland, Indien, Portugal, Südafrika und den USA qualifiziert. Als letzte Vorbereitungen vor den WM-Partien hat das Team Magma zahlreiche Spiele gegen den letztjährigen Stand des amtierenden Weltmeisters aus den USA gespielt und analysiert. Gleichzeitig haben die 3D NAO-Roboter mit Hilfe von künstlicher Intelligenz selbständig gelernt, besser und weiter zu kicken. Und so ist das Ziel der Mannschaft bei der virtuellen WM auch, sich wie bereits bei der WM 2019 für das Finale am Sonntag, 27. Juni, zu qualifizieren.

Dem Team Sweaty gefällt es natürlich weniger, dass es seinen humanoiden Roboter nicht live auf dem Platz spielen lassen kann. „Sweaty ist gebaut für die reale Welt, und er soll sich auch in dieser bewegen. Daher hatten wir gehofft, auf dem Rasen um den Weltmeistertitel kämpfen zu können. Jetzt können wir das leider nur in der Simulation“, bedauert Teamleiter Professor Dr. Ulrich Hochberg. Ein Vorteil dabei sei aber, dass das Team Sweaty auf die Erfahrungen des Teams Magma zurückgreifen konnte. Fabian Schnekenburger und Rico Schillings pflegten die entsprechenden Daten für die Simulation ins System ein und optimierten sie – auch mit Ansätzen, die Maximilian Gießler in seiner Masterarbeit entwickelt hat. Da der simulierte Sweaty zudem nicht kaputt geht, wenn er umfällt, konnte das Team viel mutiger Neues ausprobieren und mit Methoden der künstlichen Intelligenz den Gang und das Spiel des humanoiden Roboters optimieren. Als letzte Vorbereitung vor dem WM-Turnier werden die Server der Fakultät Maschinenbau und Verfahrenstechnik mit allen Rechnern, die für Lehre und computerunterstütztes Design eingesetzt werden, vernetzt. Dann üben mehr als 1500 Sweatys gleichzeitig den aufrechten Gang – und das über viele hundert Generationen! So vorbereitet tritt das Team gegen die anderen qualifizierten Teams aus Südkorea und Brasilien an und freut sich nach einem hoffentlich mindestens ebenso erfolgreichen Abschneiden wie 2019 dann auf die nächste reale Weltmeisterschaft der Humanoiden Roboter in Bangkok im Juni 2022!

Alle Spiele der virtuellen RoboCup-Ausgabe werden live gestreamt und können weltweit verfolgt werden. Spielpläne und Links für die einzelnen Ligen gibt es unter https://ssim.robocup.org/rc2021/ beziehungsweise https://humanoid.robocup.org/rc2021/.

Info

Humanoide Roboter werden künftig überall dort zur Anwendung kommen, wo andere, einfachere Maschinen ungeeignet sind – in unebenem, unbekanntem Gelände ebenso wie im häuslichen Umfeld. In letzterem können humanoide Roboter beispielsweise als Haushaltshilfen eingesetzt werden, die älteren Menschen den Umzug in ein Altersheim ersparen – und sei es auch nur für einige wenige Monate. Das spart viel Geld und erhöht die Lebensqualität.

Noch ist die Entwicklung allerdings bei weitem nicht fortgeschritten genug, weder von Seiten der Informatik und Elektrotechnik noch von Seiten der Mechanik und des Maschinenbaus. Um den Stand der Technik zu testen und Studierende anzuspornen, sich mit der komplexen Materie vertraut zu machen, bietet sich das Fußballspielen an: denn dabei müssen die Roboter sowohl autonom die Umgebung (den Ball, das Tor, den Gegner) erkennen, als auch Entscheidungen fällen (verteidigen, angreifen oder schießen) und stabil gehen – besser noch rennen – können.